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Landkreis (Landratsamt) Bergstraße

Beschreibung
Zwei Landschaften, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen im Süden Hessens auf der rechten Rheinseite aufeinander: die klimatisch milde, nur rund 100 m über dem Meeresspiegel liegende Oberrheinebene auf der einen Seite und, nur durch das schmale Band der Bergstraße getrennt, der raue Odenwald, der in seinem hessischen Teil eine Höhe von 605 m über NN (Neunkirchener Höhe) erreicht und steil zum Neckartal abfällt.
Die Bergstraße, strada montana, führte schon in historischer Zeit von Darmstadt nach Heidelberg und hat der Region den Namen gegeben. In einem Lexikon aus dem Jahr 1752 heißt es dazu, die strada montana, sei eine "kleine Landschaft und ein mit Nußbäumen auf beyden Seiten besetzter Weg disseit des Rheins, welcher sich von Darmstadt bis an Heidelberg auf 6 Meilen erstrecket, und gehöret eine Theil davon nach Hessen-Darmstadt, etwas dem Grafen von Erpach (= Erbach), das meiste aber den Churfürsten zu Mayntz (= Mainz) und Pfalz".
Die Bergstraße liegt auf einer ca. 30 m höheren Terrasse als die Oberrheinebene. Schon vor 2000 Jahren zogen die Legionen der Römer nordwärts und ein paar Jahrhunderte später die Heerscharen nordischer Stämme südwärts. Hier ist Nibelungenland. Es ist eine Gartenlandschaft: Baumobsthänge, Gemüsegärten, Treibhausanlagen und Weinberge, dazwischen Gehöfte und fast eine flächendeckende Besiedlung, zumindest zwischen den Gemeinden Bensheim und Zwingenberg. Der Odenwald erhebt sich unvermittelt mit Höhen bis 600 m. Er besteht im vorderen Teil aus kristallinem Material und dem Rotliegenden, im hinteren Teil aus Buntsandstein. Der Odenwald hat in seinen Höhenlagen ein raues Klima.
Im Süden grenzt der Kreis an das Land Baden-Württemberg, im Westen ist der Rhein die Grenze zu Rheinland-Pfalz. Im Norden liegen die Kreise Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg. Der Kreis hat eine Fläche von 720 Quadratkilometern mit 264.000 Einwohnern. Das sind 367 Einwohner pro qkm. Sie leben in 22 Gemeinden mit 104 Ortsteilen. Der Landkreis ist von der Gebietsreform in Hessen 1972 fast unberührt geblieben. Kreisstadt ist Heppenheim.
Zahlreiche Autobahnen und Bundesstraßen sowie Eisenhahnen erschließen das Gebiet optimal, der Flughafen Frankfurt ist nicht weit. Der Kreis ist gut industrialisiert. Ernährungsindustrie und Autozulieferer, aber auch Chemie und Datenverarbeitung finden sich hier.
Die Standortbedingungen für die Landwirtschaft könnten unterschiedlichen nicht sein. In der Oberrheinebene herrscht ein sehr mildes Klima. Hier wächst fast alles, was anbauwürdig ist. Tabak, Feldgemüse, Reben, aber auch Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben werden angebaut. Die Feldberegnung spielt eine entscheidende Rolle. Einzelheiten dazu sind bei dem Kreis Groß-Gerau beschrieben worden und sollen hier nicht wiederholt werden. Im Odenwald ist die Milchviehhaltung zu Hause. Die Böden sind karg, die Ertragsmesszahlen schwanken von 72 in der Ebene bis zu 26 im Odenwald. Etwa zwei Fünftel der Kreisfläche sind mit Wald bestanden, davon ein Drittel mit Kiefer; Buche und Fichte machen jeweils ein Fünftel aus.
Es gibt 880 landwirtschaftliche Betriebe, davon 340 im Haupterwerb. Der überwiegende Anteil wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze sind vorhanden. Von den 23.200 ha LN sind 12.800 ha Ackerland, der Rest Grünland und immerhin 375 ha Dauerkulturen. Das ist das kleine, aber feine Weinbaugebiet "Hessische Bergstraße". 62 Betriebe sind als Ackerbaubetriebe ausgewiesen. 430 sind Futterbaubetriebe. 90 Dauerkulturbetriebe. Daraus ergeben sich relativ kleine Rebflächen pro Betreib, aber Direktvermarktung und eine gut gehende Winzergenossenschaft sorgen bei der Marktnähe für hohe Einnahmen aus dieser Kultur. Die Betriebsgrößenstruktur ist kleinbäuerlich. 350 Betriebe besitzen weniger als 10 ha, ca. 150 Betriebe haben mehr als 50 ha Fläche. Im Kreis werden heute auf ca. 2.350 Hektar Sonderkulturen wie Spargel und Feldgemüse, Heil- und Gewürzpflanzen, Küchenkräuter und Erdbeeren sowie Beerenobst angebaut. Hinzu kommen so interessante Nutzungen wie Rollrasen, Weihnachtsbäume und auch 4 ha Miscantus, eine Schilfart als nachwachsender Rohstoff.
Die in der Statistik ausgewiesenen 17.000 Rinder leben überwiegend in dem Grünlandgebiet Odenwald, davon 4.500 Milchkühe. Die Schweinehaltung liegt bei ca. 11.000 Tieren, davon ca. 750 Sauen. Sie findet sich vorwiegend in dem nicht so dicht besiedelten Odenwald.
Touristisch bieten die Bergstraße und der Oberrheingraben sowie der Odenwald eine Menge an historischen Zielen, aber auch ein gut ausgebautes Wanderwegenetz lädt in den Wald und die Flußauen ein. Interessant sind z. B. die nicht fertig gestellten Säulen der Römer in einem Steinbruch im Odenwald. Wie in anderen südhessischen Kreisen ist die Kaufkraft der Bevölkerung hier hoch.
Text: Dr. Konrad Graß